Gabriela Bortel Pflegesachverständige · Nürnberg

Wissen · Pflegegrade

MDK-Begutachtung: Ablauf & richtige Vorbereitung

Die MDK-Begutachtung — heute korrekt: Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) — entscheidet über Ihren Pflegegrad. Der Hausbesuch dauert 45 bis 90 Minuten und folgt einem festen Schema: Wer den tatsächlichen Alltag vollständig darstellt, wird richtig eingestuft. So bereiten Sie sich vor.

Was prüft der Medizinische Dienst?

Grundlage ist das Begutachtungsinstrument mit sechs gewichteten Modulen: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen sowie Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte. Bewertet wird die Selbstständigkeit — nicht die Diagnose.

Die 10 wichtigsten Vorbereitungs-Tipps

  1. Pflegetagebuch über 1–2 Wochen führen: Wer hilft wann, wobei, wie lange?
  2. Alle Diagnosen, Arztberichte und den Medikamentenplan bereitlegen.
  3. Liste aller Hilfsmittel (Rollator, Duschstuhl, Inkontinenzmaterial …) erstellen.
  4. Pflegeperson zum Termin dazuholen — sie kennt den Alltag am besten.
  5. Den realen Alltag schildern, nicht den besten Tag. Nichts beschönigen.
  6. Nächtliche Hilfen und Beaufsichtigung ausdrücklich erwähnen.
  7. Kognitive Einschränkungen konkret machen: Was wird vergessen, was misslingt?
  8. Scham ablegen: Inkontinenz, Stürze und Ängste gehören ins Gutachten.
  9. Nichts vorführen, was nur mit größter Anstrengung gelingt.
  10. Nach dem Termin Gedächtnisprotokoll schreiben — wichtig für einen späteren Widerspruch.

Kernfakt: Das MD-Gutachten können Sie kostenlos bei Ihrer Pflegekasse anfordern. Prüfen Sie jede Modulbewertung — hier entstehen die meisten Fehleinstufungen.

Begleitung durch eine unabhängige Sachverständige

Auf Wunsch bereite ich Sie persönlich auf den Termin vor oder begleite die Begutachtung bei Ihnen zu Hause — damit alle Einschränkungen zur Sprache kommen und korrekt erfasst werden. Fällt das Ergebnis dennoch zu niedrig aus, erstelle ich das Gegengutachten für Ihren Widerspruch.

Häufige Fragen zur Begutachtung

Wie läuft die MD-Begutachtung ab?

Eine Gutachterin oder ein Gutachter des Medizinischen Dienstes besucht die pflegebedürftige Person zu Hause, stellt Fragen zum Alltag, beobachtet einzelne Verrichtungen und bewertet die sechs Module des Begutachtungsinstruments. Der Termin dauert meist 45 bis 90 Minuten.

Was fragt der Medizinische Dienst bei der Begutachtung?

Gefragt wird nach Mobilität, geistigen Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung (Waschen, Anziehen, Essen), dem Umgang mit Krankheit und Therapie sowie nach Alltag und sozialen Kontakten — und danach, wer wie oft hilft.

Wie bereite ich mich auf die Begutachtung vor?

Führen Sie ein bis zwei Wochen ein Pflegetagebuch, legen Sie Diagnosen, Medikamentenplan und Hilfsmittelliste bereit, und sorgen Sie dafür, dass eine Pflegeperson beim Termin dabei ist. Schildern Sie den realen Alltag — auch die schlechten Tage und die Nächte.

Darf ich beim Termin jemanden dabei haben?

Ja, unbedingt: Eine Vertrauens- oder Pflegeperson sollte teilnehmen, ergänzen und korrigieren. Auf Wunsch begleite ich als unabhängige Sachverständige die Begutachtung und achte darauf, dass alle Einschränkungen erfasst werden.

Was passiert, wenn die Begutachtung schlecht läuft?

Fordern Sie das Gutachten an und lassen Sie es prüfen. Gegen einen zu niedrigen Bescheid können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen — mit einem unabhängigen Gegengutachten als fachlicher Grundlage.